Alleinsein

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Ein offenbar ziemlich weiser Mensch hat einmal gesagt, dass alles Übel dieser Welt im Grunde dadurch entstünde, dass niemand es aushält, länger als fünf Minuten mit sich allein zu sein. Ein indischer Spiritueller namens Osho geht sogar noch einen Schritt weiter. Er sagt, Liebe sei Luxus, erstmal müsse man das Alleinsein können. Liebe scheint manchmal wie der Versuch zweier Einäugiger, gemeinsam stereoskopisch Sehen zu üben. Schaut mal “Landwirt sucht Gattin” und Ihr wisst, wass ich meine. Jesus war 40 Tage in der Wüste, alleine mit seinen Dämonen. Schulz von Thun würde sagen: Er hat seinem inneren Team mal klar gemacht, wer eigentlich Chef ist. Und dann schallt heute, als ich im Auto unterwegs bin, auch noch das Lied „Isolation“ von Den Krupps aus den klapprigen Boxen. Toller Song, klasse Chorus. Da musste ich an Prag denken, wo ich 1995 diese Platte gekauft hatte. In einem Untergrund – Plattenladen mit lauter wichtig aussehenden Punks darin. Ich war eh schon weit von zu Hause weg, warum sollte ich da nicht auch meinen Musikgeschmack erweitern? Zumal der Metal Hammer die CD seinerzeit sogar zur „Platte des Monats“ erhoben hatte (was heute nicht mehr allzu viel bedeutet, weil alles matschiger Mainstream ist. Damals waren die Kritiken indes noch etwas wert).
Ein Werk ist erst dann wirklich gut, wenn es mit wächst. Die alten Clawfinger oder Onkelz – Platten sind schön und gut. Aber irgendwann ist ihr Sinn erschöpft und auf so ziemlich alle Lebenslagen schon mal als Soundtrack dazugenudelt worden. Ich höre Clawfinger oder die Onkelz noch aus Nostalgiegründen oder wenn mein inneres Kind mal wieder hungrig ist. Bei den Krupps (und zum Glück auch bei manch anderer Band, z.B. The God Machine) ist es aber etwas anderes. Ich bin nicht mehr das Blag, das vor 16 Jahren munter durch Prag hüpfte, mächtig einen an der Glocke und immer auf der Suche nach der nächsten Kiste Bier, nach deren Genuss ich mich dann wieder von einer Lehrkraft im Besenschrank ertappen lassen durfte. Ich kann mittlerweile sehr gut mit mir alleine sein. Nicht nur, weil es manchmal nicht anders geht, sondern weil ich mir selbst das wert bin. Und dann lege ich auch manchmal die „Odyssey Of The Mind“ von den Krupps auf und merke, dass das Teil nichts von seiner Faszination verloren hat. „Isolation is liberation when desparation is what you feel“. Ja natürlich, aber nicht nur dann. Alleinsein als Selbstzweck macht viel mehr Spaß.

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