Wieder mal bei Alfred
by libraraptor
Inspirierende Besuche im Antiquariat. Im alten Renault – Autohaus – Ausstellungsraum hat Alfred sein Bücherlabyrinth mit über 30.000 vorrätigen Büchern. Da bin ich immer, wenn ich geistigen Input brauche. Von Büchern umgeben zu sein, verschafft mir Sicherheit, und zwar in doppelter Hinsicht. Einerseits geben mir die Bücherschluchten räumliche Geborgenheit. Andererseits ist es, als sei ich in einem riesigen Flur mit tausenden Türen und entsprechend vielen Möglichkeiten, mich im Spiegel der entsprechenden Literatur neu zu entdeckenr. Diese Ambivalenz lösen für mich nur Bücherwände wirklich auf. Wie viele Chancen da noch lauern, im Autohaus der träumenden Bücher! Heute allerdings war ich nicht zum Anschauen da, sondern ganz bewusst mit dem Ziel, mich geistig anregend zu unterhalten. Das ist mir sonst selten möglich, wobei ich ausdrücklich darum bitte, mir dies nicht als Arroganz auszulegen! So war denn auch alles angerichtet: Eine Kanne Kaffee, ein paar Kekse (dank Wurzelbehandlung leider schwer zu kauen…) und vor allem natürlich der großartige Alfred persönlich. Wir sprachen über Entfremdung im Sauerland, Kommunikation, streiften die Themen Berlin, Verantwortung, Kunst (Dioramen), redeten über Michael Weins, Thomas und Heinrich Mann, Alkohol oder Alfreds geplante Werbekampagne. “LeseZeichen” soll der Laden bald heißen, und ein anspruchsvolles Logo ist schon entworfen. Schüler vom Gymnasium einladen, Leseförderung an Kindergarten, es ist ja auch so vieles möglich. Und Alfred will wirklich 2012 durchstarten. Dazu hat er sich auch ein extra Büdchen gebaut, ein Raum im Raum aus Ständerwerk. Mit kleinem Fensterlein Richtung Laden – der “McDrive für Bücher” sozusagen. Alfred ist ein praktisch denkender Mensch. Statt besagtes Ständerwerk mit Dämmmaterial zu füllen und Richtung Laden mit Rigips zu verkleiden, hat er die offenen Rahmen mit Taschenbüchern vollgestopft. Das ist nicht ohne einen gewissen Charme. Vielleicht folgt bald eine Kinderecke auf dem Dach des Büdchens. Damit auch die nächste Generation nicht die Lust am Lesen verliert…In Zeiten von Kindle und RTL II – beides zum Aussterben verurteilte Einzelschicksale – gibt mir ein Ort wie das “LeseZeichen” wieder Hoffnung, dass Buch und Kultur noch ein langes Leben vor sich haben. Die Gralshüter geben sich alle Mühe. Und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Alfred und ich die einzigen Idioten im schwarz-verspießerten Sauerland sind, die so denken.