Nestbau
by libraraptor
Gestern haben wir unsere Wohnung für den neuen Erdenbürger vorbereitet. Dabei musste ich so manchen alten Zopf abschneiden. Was sich wieder mal besonders gut an Gegenständen veranschaulichen lässt. Mit solchen Gegenständen geht auch immer ein Stück gelebtes Leben zur Wohnungstür hinaus. In meinem Fall waren dies:
Eine Olympia “Monica” – Schreibmaschine. Mit dieser erledigte mein Vater damals seinen Schriftverkehr im Dienste des örtlichen Männergesangvereines. Ich musste dann manchmal diese berühmten Postkarten schreiben, auf denen Einladungen zum Freundschaftssingen verschickt wurden. “Wir nehmen am Freundschaftssingen des MGV teil
- am Freitag
- am Samstag
- wir kommen nicht.
Und ich musste derartige Postkarten anderer Vereine beantworten. Und war wirklich verlegen, als wir absagen mussten. Damals war ja überall noch nicht so viel Hurra. Da jagten sie jetzt beispielsweise in Altenkleusheim oder Niedergockelsohl nicht monatlich irgendeine “Beach – Party” – Sau durchs Dorf, und “Ü 30″ – Parties gab es auch nicht. Man ging halt einfach in die “Ampel” nach Weringhausen.
Naja, die Schreibmaschine stand nun schon wirklich gefühlte 30 Jahre bei uns rum, und ich habe sie immer von Ecke nach Ohr geräumt, vielleicht aus einem albernen Verpflichtungsgefühl meinem Vater gegenüber heraus. Nun hat mein Neffe sie mitgenommen.
Ein Notenständer, der gleichzeitig Flansch für eine dieser langen Boxen ist, die in unserer Kirche hängen. Diese Box samt Mikrofon dient als Verstärker
Dieses oder zumindest ein ähnliches Gerät nahm der Herr Pastor bei Beerdigungen immer mit auf den Friedhof. Als ich Messdiener war, musste ich diese Mopeds schon mal tragen. oder Weihrauch oder direkt das Kreuz vorne Weg. Da war es also sowieso schon gruselig genug. Und dann auch noch diese quäkige Verstärkung des Satzes mit “demjenigen aus unserer Mitte, der…”, naja, Ihr wisst schon. Da gucken dann alle immer am betroffensten aufs Pflaster. Das Gerät jedenfalls hatte Pastor Rinschen auf seinem berüchtigten Hauströdel für 10 Euro angeboten und ich habe es aus Nostalgiegründen mitgenommen. Erstens war es für einen guten zweck (Somalia oder so) und zweitens muss ich meiner Begeisterung für Flohmärkte aller Art ja auch materiell Ausdruck verschaffen. Und übrigens drittens hatte ich wirklich was Technisches damit vor, aber das war Quatsch und ich hatte nie Zeit. Sei´s drum. Es freut sich auch diesmal wieder: Mein Neffe.
Ein alter, kleiner Küchentisch
Da stand ich nun irgendwo in unseren 170 Quadratmetern Wohnfläche und sinnierte: Damit haben wir mal angefangen? Unglaublich! Undenkbar in Zeiten sorgfltigst ausgesuchter Tische junger, postmoderner Familienentwürfe für mindestens mal acht Personen (falls Mama und Papa ihren jeweiligen Lebenspartner mitbringen sollten oder die Jasmin Tageskind Nele auch noch mitbringt oder so). In der Wohnung am Kehlberg war an solche postmodernen Lebensentwürfen gar nicht erst zu denken. Wir waren froh, dass wir eine Unterlage für die Müslipötte haben. Und die steht nun erstmal in Nachbars Garage. Werkbank oder Holzschrott? Auch beim Nachbarn entscheiden schließlich, wie einst bei Einstein, Zeit und Raum.
Nachtrag zum kleinen Küchentisch: Ist es nicht der Wahnsinn? Auf unserer so genannten “Schlafetage” haben damals meine Eltern eine komplette Wohnung eingerichtet. Was diese Generation wohl manchmal über unsere ulkigen Platz- und Erziehungsansichten denkt? Bemüht Euch nicht zu antworten, ich weiß es aus eigener Erfahrung lngst selbst.
Ein Dartschrank mit ausgelullerter Scheibe
Was habe ich mir mit Ecki damals im Hohen Heckenweg Schlachten geliefert. Lange vor den Kickerduellen mit Jens im NewKOMMA hatte ich mit Ecki schon einmal einen perfekten Partner für Sport gefunden. Zwanglos trafen wir uns im Flur und warfen ein paar Pfeile. Die Scheibe nebst Schrank überstand Kehlberg und die Anfangsjahre unserer jetztigen Wohnung. Er musste einem “Sendung mit der Maus” – Bild weichen. Mit ihm gehen hoffentlich nicht die Erinnerungen an die Zeiten im Hohen Heckenweg Münster.
Es ist schon verrückt, wieviel Seele in Dingen steckt. Ich musste mein Büro verkleinern, um ein neues Nest zu schaffen. Aber es ist wirklich besser so: Die Amsel wirft ja auch erst Heu und Scheiße vom Vorjahr aus dem Nest, bevor sie neue Eier rein legt. Ja, Basti, ich weiß, dass Amseln jedes Jahr ein neues Nest bauen. Aber die Metapher war einfach zu geil.
Vielleicht könnte diese Kramerei, Fuckelei und Sachen Hin- und herräumerei, vielleicht könnte das eiten sein?
Hi Karnickel, lass uns mal wieder ein bisschen rumeiten, hier siehts ja wieder aus.
oder besser englisch: to eiten
Yesterday he eitened all these things out of his home.
Neben mir leuchtet übrigens grad der schöne Globus, den du mir angeeitent hast. Macht sich gut, guck mal vorbei.