Der 20. Januar gehört einem tollen Menschen!

Der 20. Januar wird für mich immer ein ganz besonderer Tag sein. Ich denke stets mit positiven Gedanken an einen großartigen Menschen, der angetreten ist, die Welt besser zu verlassen, als er sie vorgefunden hat. Seit jeher hat er mir viel bedeutet, doch der 20. Januar bleibt ein besonders markanter Tag, an ihn zu denken. Er ist intelligent, steht vor großen Gruppen und tapfer die Welt erklärend seinen Mann. Er steht zu sich selbst und seinen Werten, trägt sein Haar typengerecht und smart – und er lebt in einem weißen Haus:
Happy Name Day, Basti!

Kassenlage

Boah, Leute, was zieht Ihr denn alle für verkackte Gesichter, Ihr seid doch nur nachmittags in einem blöden Netto – Discounter und müsst an der Kasse mal ein bisschen länger warten. Eure Gesichter sind eine Frechheit. Eure scharrenden Hufen beleidigen den Anstand. Eure Einkaufswägen an meinem Hintern, ich wollte dich erst noch fragen, du unzufriedene Tussi mit der schiefen Brille. „Wollen Sie mal richtig reinfahren, dann stinken Sie wenigstens auch so scheiße wie Sie gerade gucken“.
Es ist zum Speien. Klar, morgens waren die Straßen verschneit, Ihr habt Euch so wie ich nicht aus dem Haus getraut. Konntet Eure Wochenendeinkäufe halt nicht erledigen. Musstet dann, wie alle anderen, noch nachmittags los. Na und?!
He, Du Wichtigtuer, der da „können Sie bitte eine zweite Kasse aufmachen“ brüllt, Dich stelle ich mal in Äthiopien in die Schlange vor einem Brunnen, mit kleinen Kindern, die pro Arm Fünfliterkanister nach Hause wuchten dürfen und nicht mal wissen, ob von den elf Menschen in der Blechhütte noch alle leben. Rück Dein kleines deutsches Leben mal in eine Perspektive.
He, Du blöder Typ mit Fellkragenkapuze und Fusselbart, der du da auf dicke Hose machst für deine drei Dosen Energy und die passende Flasche Wodka , verdreh nicht so dusselig die Augen, sonst drehe ich dir die Nase ins Gehirn und zeige dir einen Film aus China, wo die Kinder 20 Kilometer pro Strecke zur Schule laufen müssen, damit sie die lang ersehnte Bildung bekommen, die du Dusselkopp jahrelang ausgeschlagen hast.
Du kleine krumme Omi mit dem Klopapier aus dem Sonderangebot, hör das Drängeln auf, immerhin hast du für dein faltiges Seniorenärschchen chlorfrei gebleichtes Papier, für das wir das Grundwasser seit Jahrzehnten abgesenkt haben, damit du im Komfort altern darfst. Geh mir also nicht auf den Senkel.
Du komische Patchworkmama mit dem pseudojugendlichen Sternchenbeanie auf dem Kopf, da rennst du flott zur gerade öffnenden Kasse, überfährst fast die krumme Omi und stößt dem blöden Fusselbart den Wodka aus seinen Siffpfoten, damit du drei Minuten schneller deine lausigen Einkäufe in deinen Hausfrauenpanzer hieven und deine von dir selbst gewünschte, gut genährte und trotz deiner Existenz vielleicht sogar zufriedene Tochter vielleicht drei Minuten früher vom Hallentraining abholen kannst.
Seid doch einfach mal dankbar. Dankbar und geduldig. Und guckt gefälligst Euren Nebenmann nicht an, als trachte er nach Eurer nackten Existenz. Ihr steht an der Kasse. Ihr seid nicht auf der Flucht. Ihr Zyniker!

Wie letztens ein Teil von mir auf Reisen ging

fibri
Lustig ist das Chirurgenleben

Ich hatte keine Zeit für einen Urlaub zwischen den Jahren, aber zumindest einem Teil von mir gelang die Flucht aus dem Tagebrei nach Weihnachten. Und zwar in Formalin und als Päckchen. Und das kam so:
Meine Schwägerin ist Medizinische Fachangestellte in der Ambulanz einer Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und saß an der Weihnachtstafel tragischerweise links neben mir. So konnte sie an meinem Kopf etwas entdecken, das ihr bisher entgangen war. Dass es so gut sichtbar war, liegt daran: Ich habe mich entschieden, zu dem Frisurenendstadium „Haarkranz“ (danach kommt nur noch Glatze, und die ist nicht mehr den Frisuren zuzurechnen) zu stehen. Ich möchte so aussehen wie Wolfgang Bosbach.
Daher rasiere ich mir das Kopfhaar mit so einem ollen Tchibo-Dingen neuerdings Mehmet-Scholl-kurz, 3mm oder so. Ich war dabei schon öfter auf ein Hindernis hinterm linken Ohr gestoßen, hatte ihm aber keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt.
Bis meine Schwägerin halt eben am zweiten Weihnachtstag rief: „Oh, ein Fibrom!“ Na sowas!
Am 5. Januar fand ich mich also auf einem Behandlungsstuhl der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie wieder, auch wenn ich bis heute nicht verstanden habe, was der Kontinent hinter meinem Ohr noch damit zu tun hat. Klar, es gibt diese Haarausfallwitze von wegen „ein schönes Gesicht braucht Platz“, aber gleich hinterm Ohr? Außerdem war ich leicht missmutig, weil sich mein Anliegen im Vergleich zu dem eines Syrienkindes peinlich gering ausnahm. Für sowas, dachte ich, bekommen Ärzte heutzutage Geld, während jetzt in dieser Sekunde woanders Menschen von Menschen gemeuchelt und verstümmelt werden.
Und hatte Lemmy nicht auch die Ewigkeit seines gesegneten Lebens mit seinem angewachsenen Zwillingsbruder über seinem linken Mundwinkel gelebt? Nun ja.
Bevor der Arzt eintraf, hatte eine freundliche Arzthelferin unter anderem mit mir entdeckt, dass ein gekräuseltes Tupfer so aussah wie ein Popoloch und hatte ich zudem erfahren, dass ich heute Patient Nummer acht auf diesem Stuhl sei. Natürlich fragte ich, ob etwas Ekeliges dabei war, aber die Dame ist scheinbar hart im Nehmen und verneinte. Die Verlegenheit beim Warten treibt bisweilen sonderbare Smalltalkblüten.
Der Doktor war ebenso redselig wie ich, der alles wissen wollte. Geduldig berichtete er vom Veröden der Gefäße, fragte mich über meine Arbeit aus und hantierte geschickt, sofern ich dies sehen konnte, mit diesem oder jenem Besteck herum. Die Pinzette sei jetzt zum Veröden, ah, sagte ich, wie bei einem Laserschwert, das hinterließe für gewöhnlich auch keine blutenden Wunden, nur einmal auf Tattooine in der Kantine, nachdem Obi-Wan dem Aqualish, der Luke bedroht hatte, den Arm abgeschlagen hatte, aber das zähle nicht. Die Arzthelferin, die übrigens nicht meine Schwägerin war, und der Doktor guckten sich konspirativ an, konnten aber aufgrund allerlei Hantiererei ihre Hände nicht wie „ballaballa“ vom Gesicht herwinken.
Ich lag so halbseitig auf dem Stuhl und ließ meinem Redefluss weiter freien Lauf, der Doktor erwiderte dies und sprach seinerseits munter vor sich hin, bis plötzlich etwas Behaartes an einer Pinzette in mein Gesichtsfeld baumelte. Man kann ja irgendwie auch nicht an einem überfahrenen Eichhörnchen vorbeigucken…
Ich glaube, Details wollt Ihr nicht wissen, daher mache ich mal weiter. Es sah aus wie eines dieser Zeichentrickmonster im Kloreinigerwerbespot, nur ohne Gesicht; wie ein winziger, rötlich-verästelter Blumenkohl.
Routinemäßig müsse unser kleiner Freund nun ins Labor, meinte der Arzt, aber er sehe schon jetzt, dass sein Verhalten meinem Körper gegenüber nicht seinem Aussehen entspreche. Das ist schön. So ließ ich mich nach Hause fahren, während mein kleines Anhängsel weiter auf Reisen ging, auf zu neuen, spannenden medizinischen Abenteuern.

Bitterfeld, schon wieder

In der aktuellen ZEIT (Nr. 2 / 2017) ist ein Artikel von Caterina Lobenstein zu lesen. „Hier herrscht Klassenkampf“ heißt diese Reportage über den Strukturwandel in Bitterfeld und was er aus den Menschen dort gemacht hat. Häufig offenbar AfD-Wähler/innen. Ein guter Text, gut beobachtet, ich bin direkt im Geschehen, solide abgeleitet und ohne Wertung. Hat mir gefallen.
Ich möchte hier einiges ergänzen.
So wie Frau Lobenstein als Reporterin war auch ich zum Geldverdienen in Bitterfeld, leider nicht als ZEIT – Reporter (kann ja noch werden, vielleicht legen Sie ja ein gutes Wort ein, verehrte Frau Lobenstein?), in 2016 das insgesamt vierte Mal für jeweils eine Woche. Ich verkaufe für ein Unternehmen Weihnachtsbäume dort. Also nicht meine eigenen, ich werde pauschal bezahlt. Dabei könnte ich es belassen, meine Kohle einstecken und nach Hause fahren und fertig. Das kann ich nicht, weil ich sensibel bin. Mit der Zeit habe ich mich mit der Stadt angefreundet. Das sage ich ohne Ironie und ohne Herablassung. Allenfalls vielleicht romantisch verklärt, weil ich nicht dort bleiben muss.

1. Es liegt an der Art der Menschen hier
Viele Bitterfelder wissen, wie man miteinander quatscht. Sie parieren eine Sauerländer Laberbacke wie mich, und das will was heißen. Sie strahlen eine wohltuende Art des „Hilft ja nichts“ aus und nehmen es, wie es kommt. Ich habe oft interessanten Smalltalk gehabt. Die Menschen geben etwas von sich preis. Das heißt, sie geben. Geschichten, Weisheiten, und weiß Gott nicht nur Schimpf und Schande auf Politiker und Geflüchtete! „Ich komme gerade aus dem See, ach wissen Sie, ich springe immer furchtbar gern hinein“, sagte mir beispielsweise die gute Frau Buchverkäuferin in ihrem Laden am Goitzscheufer, bevor sie mir die Garage des Glücks aufschloss.
Und man hilft einander. In meiner Umgebung habe ich ein subtiles Netzwerk an minimalen, aber wirksamen gegenseitigen Gefallen beobachtet, und nein, damit meine ich ausdrücklich nicht dealen! Ich meine, dass der Mann, der in einem großen Schuppen im Hinterhof Holz hortet, die etwas „schlechteren“ Stücke einem anderen Mann überlässt. Dass da ein Arbeitsloser mit großer Würde eine Einfahrt fegt und nach einer Dreiviertelstunde den verdienten Fünfer auf die Hand bekommt. So muss er nicht schnorren. Dass es auch mal einen Döner gratis gibt vom Betreiber der Bude, der selbst nicht wirklich viel hat.
Als Christbaumverkäufer ist man nah an den Menschen, man ist Gast in der intimen Vorweihnachts(nicht-)stimmung. Ich habe nicht einmal jemanden klagen gehört.

2. Es liegt an Mühlbeck
Das Bücherdorf ist ein Paradies für mich. Nicht nur wegen der Bücher, auch wegen der Damen und Herren, die dort Antiquariate betreiben. Sie haben sich als tolle Lehrer/innen erwiesen, ich habe durch sie wahrscheinlich mehr über die Geschichte und den Strukturwandel der Region erfahren als in fünf Schuljahren Geschichte/Politik. Als alle von mir noch zu bezahlenden Bücher auf dem Tisch lagen, dies ist vielleicht auch spannend für Sie, Frau Lobenstein, sprach ich mit der Dame über den hohen Anteil an AfD Wählern. Ich gab meine übliche die „abgehängter weißer Mann“ – Theorie zum besten, aber das überzeugte sie nicht ganz. Es sei auch so gewesen: Der Kommunismus habe das „Deutschsein“ der Menschen jahrzehntelang unterdrückt, und dann sollte man nach der Wende auf einmal „Deutscher“ sein. Und kaum hatten die Menschen sich daran gewöhnt, teils mit zugegeben absonderlichen Auswüchsen, sollten sie plötzlich Europäer werden. „Wir kommen nicht mit!“ riefen die Menschen. Und dass kann gut sein. Nicht mitkommen bedeutet übrigens nicht unbedingt, „dumm“ oder „sozial schwach“ (immer noch eine sehr abartige Zuschreibung) zu sein. Vielleicht heißt es einfach, dass man sorgfältiger ist, langsamer sein möchte, sich sammeln und konzentrieren will, aber nicht darf.

3. Es liegt an Goitzsche Front
Ach, Nazis, so ein Quatsch. Ost-Onkelz, naja, noch so ein Quatsch. Das sind nur Schubladen. Im Grunde machen die Männer von Goitzsche Front handfeste Mucke, den man am besten einfach Deutschrock nennt. Und nein, das ist nicht Ausdruck einer zweiten onkelzlastigen Pubertät, sondern Zeichen meines Respekts vor der Band. Dass da vier Musiker der Region ihren Stolz zurückgeben, hat nichts mit Rechtsnationalismus zu tun, sagte ich mir. Und der Nazis raus – Button an TTs Jacke hat mir dann den Rest gegeben.

Dass der schon im zweiten Jahr seinen Baum bei mir gekauft hat und dieses Mal sogar für einen Aufnäher und ein Feuerzeug im Regen aus dem Auto zurückgekehrt ist, zeigt, dass Bitterfeld Wertschätzung durchaus zurückgeben kann. Die Front bekommt als musikalische Botschafterin übrigens tolle Unterstützung durch Frau Graf und diesem unwiderstehlichen Song mit genialen „Jump“ – Keyboards…

4. Es liegt an Herrn Seehafer
Der leider 2016 verstorbene Schriftsteller und Goethe-Biograf hat mir damals nach meinem Besuch bei ihm und seiner Frau ein Buch geschenkt: „Dann sehn wir uns in Bitterfeld“
https://www.eurobuch.com/buch/isbn/9783898126649.html
Nicht nur waren die Besuche bei ihm und seiner Frau eine absolute Bereicherung für mich: Auch sein Buch hat mir die Stadt nochmal näher gebracht. Wie ich ihn kennengelernt habe? Erst seine Frau durch Siehe Grund 1 – Bitterfelder/innen sind offen und frei raus, ein Wort gab das andere, und plötzlich waren wir bei „Zettels Traum“.

Wenn möglich, kehre ich nach Bitterfeld zurück. Sie auch, Frau Lobenstein? Und kaufen Sie dann einen Baum bei mir?

Was ich so denke und meinen Lesern so wünsche zwischen den Tagen

unterbecken
Oberbecken, klar, aber wart Ihr auch schon mal am Unterbecken?!

Täglich fliegen mir hunderte von Gedanken durch den Kopf wie hektische Singvögel. Hier und Jetzt ist dagegen bei mir oft schlecht, wenn ich zum Beispiel Weihnachtsfeiern vergesse, im Smalltalk abwesend wirke oder sich neben meinem Bett Socken und leere Wasserflaschen stapeln.
Manchmal wünsche ich mir ein strammeres Netz, um eines dieser flinken Gedankenvögelchen zu fangen, um mehr daraus zu machen.
Domestiziere ich es in einem Käfig? Bringe ich ihm bei, den Star Wars – Soundtrack zu trällern? Oder drehe ich ihm sein zartes Hälschen um, um es zu rupfen, auszunehmen, zu braten und zu verspeisen?
Ich ziehe Schlussfolgerungen, entdecke Muster, bilde mir Meinungen, bin mal nervös, mal gelassen. Was 100 Milliarden Neuronen halt so tun, jetzt, wo sie als Zwischenprodukt einer vom Zufall geprägten Evolution miteinander in einen Schädel gepfercht feuern und sich vernetzen. Hilft ja nix. 100 Billionen Schaltstellen gibt es, und an jeder muss was passieren, sonst wird es ja langweilig. Wobei dieses Bild eigentlich schon wieder falsch ist. Schädelvolumen und Gehirngröße haben sich nämlich miteinander entwickelt. Es war ja nicht so, dass der Schädel erst riesig und leer war und die Evolution sich dachte, so, da muss jetzt mal ein ordentliches Gehirn rein. Die Evolution denkt ja gar nicht. Und würde sie doch denken, dann wahrscheinlich nicht so. Woher soll ich das wissen?
Seht Ihr, und so geht es mir den ganzen Tag. Der Autopilot löst die Alltagsaufgaben, Empathie, Reden, woher kriege ich mein Essen, wie finde ich Tante Hannelore, mag mich Försters Treschen, wie überlebe ich den nächsten Monat finanziell, wie lange wirkt die Betäubung im mandibularis, was schenke ich meinem Patenkind zu Weihnachten. Im Hintergrund rede ich mir eine beurteilende, bewertende, Instanz, ein, die mit all dem Zeugs umgehen muss, der so aufs Hirn prasselt. Ich bin kompliziert.
Will Texte in die Welt schicken, glaube, damit etwas mitteilen zu können, das andere mögen. Manchmal stimmt das ja auch. Dann bekomme ich zurück „Super!“, „Toll geschrieben!“ oder so, oft zum Beispiel, wenn ich wohlfeil gegen leichte Ziele wettere. Noch öfter, wenn ich mich selbstironisch aufs Korn nehme.
Ihr wisst ja, dass ich gerne so tue, als schlüge ich mir beim Öffnen der Tür ihren Flügel an die Stirn. Dabei mache ich das das Geräusch unten mit dem Fuß, während ich oben theatralisch jaule und mir an die Murmel fasse. Manche meiner Texte sind auch so zu verstehen.
Mit manchen will ich auch weiter gehen, mehr erreichen, vielleicht sogar zum Künstler werden. Martenstein, Goldt und so. Oder Poesie. Schaut mal auf meine eigenartigen Gedichte der vergangenen Wochen. Ich lese nun mal viel Hannelies Taschau in diesen Tagen.
Wie oft stehe ich unter der Dusche und denke, welche Bezeichnung außer dem offiziell staatlich anerkannten Sozialarbeiter noch zu dem passen würde, was ich so gerne regelmäßig in meinen Texten mache. Blogger? Publizist? Journalist? Schriftsteller? Letzteres würde mir ja gefallen, aber wie kommt das denn an? Geht es auch eine Nummer kleiner? Wahrscheinlich bin ich einfach der Schrödi, der auch schreibt.
Damit seine 100 Milliarden Gehirnzellen mal Auslauf bekommen, auf dem Spielplatz des Zeitgeschehens.
Ich bedanke mich für Eure Treue und Euer regelmäßiges Interesse an meinen Texten hier an dieser Stelle. Gut 5000 mal wollte 2016 jemand wissen, was mich gerade beschäftigt und wie es mir damit geht. Das sind 2000 Klicks weniger als in 2015. Dafür, dass seit zwei Jahren keine facebook – Präsenz mehr habe, sehr gut. Die meisten dieser Klicks stammen von Stammleserinnen und Stammlesern; manchmal trudelt jemand rein, der nach einem bestimmten LEGO-Set das Netz durchstreift oder Munition für seinen eigenen Kampf gegen die vorsätzliche Verdummung Deutschlands durch CSU, AfD und BILD sucht. Ihr dürft gerne bleiben, denn ich höre nicht auf damit.
Meine Veröffentlichungsstrategie hat sich etwas verändert hin zu „handverlesenen Päckchen aus der Eiten-Texterei“, die ich per WhatsApp an diejenigen verschicke, denen ich damit eine kleine Freude machen will. Außerdem denke ich für 2017 darüber nach, bei Xing aktiver zu werden und meinen youtube – Kanal intensiver zu nutzen, wie hier schon mal testweise geschehen:

Mehr Lyrik soll es werden, und in der Prosa noch weniger Gelaber um des Laberns willen.
Freut Euch also auch in 2017 auf Texte und Videos von mir. Gebt mir auch bitte ausdrücklich bescheid, wenn Ihr nicht auf WhatsApp erfahren wollt, dass es etwas Neues gibt, das respektiere ich natürlich. Meine mittlerweile 17 Jahre alten regelmäßigen Kolumnen mag nämlich nicht jeder. Sie sind NUR FÜR VER-RÜCK-TE 😉
Es mag ja auch nicht jeder Spinat.
Ich wünsche Euch und Euren Familien ein friedliches und gesundes Jahr!

16 auf 17

zwischen den zeilen

zehntausend meilen

lese ich. verwese ich?

 

zwischen den jahren

allen verfahren

lache ich. mache ich.

 

oben der himmel

unten gewimmel

wühle ich. verkühle ich.

 

all das gelächter

verblendeter  schlächter

mag ich nicht.  vertrag ich nicht.

 

löwenzahnzeit

längst schon bereit

wann puste ich?  noch huste ich.

 

 

 

Christbaumstand, trostlos.

Ich lehne auf meinem Einnetzer und betrachte die Szenerie
Auf dem Tischchen vor mir eine Dose Dr Pepper und Schwarztee vom Türken
Sein Haus hat er selbst angestrichen. In Orange.
Gasflaschen prallen aneinander,
zudem wird Altpapier gesammelt auf dem Grundstück nebenan. 7 cent das Kilo.

Es spielen sich ab
Kleine Episoden, Tag für Tag
Der Russe, der im Palettenholzlager des Türken das schlechte Holz für seinen Hausofen raussucht
Der Türke, der zwei, drei Döner verkauft
An Gestalten, die ihre ganz eigenen Kämpfe kämpfen
Oder schon nicht mehr kämpfen, wer weiß
Manche tragen Baseballkappen, verkehrt herum
Fahren vor mit ja immerhin tiefer gelegten uralt-BMWs
Und gepimpten Lupos
Ein Rest Asi-Hiphop flüchtigt mit Zigarettenqualm durch die zuknallende Tür.
Stampf stampf stampf, erstmal was essen
Mehr Klischee als das Klischee selbst
Aus der Beifahrertür steigt eine Bumse aus, trippelt hinterher

Manche junge Frauen, 20, 22, schieben Kinderwagen über den Gehsteig
Daneben schon die nächste Bumse, die vorerst einen rosa Puppenwagen schiebt
Gutes Training
Vorgezeichnete Wege, vergessene Stadt
Sie wird ihr Ding schon machen
Ihr Ding ist ein Kind, nicht mehr, nicht weniger
Eines der Kinder, die dann vorm Kaufland lungern werden
Bei den bellenden Hündchen, die zu mir rüber schallen, angebunden von Baskenmützenschrumpelfrauen, die für zwei Becher Sahne noch in den Vorkassenkrieg ziehen.
Oder für ihr Rätselheft.

Zurück zum Stand
Manchmal tropft ein gut angezogener Herr ins Bild, steigt aus aus einem Oberklassewagen
Kauft einen Baum, zahlt freundlich samt Trinkgeld
Für einen Glühwein, Sie stehen hier in der Kälte, Sie Armer.

Eine alte Dame lässt mich schuften, drei Tage ausnetzen für ihr Seelenheil
Wenigstens einer, der sich mal für sie interessiert
Und sei es nur wegen eines dämlichen Weihnachtsbaumes
Sie kauft für vierunddreißig Euro und steckt mir einen Flachmann zu
Konspirativ, lächelnd,
So einen aus dem Vorkassenbereich, der Spritbirnen-Quengelzone
Ich werde ihn nicht trinken, aber dem Türken geben
Der ihm dann dem Alkoholiker gibt, der etwas älter ist als ich
und mich seit Tagen fragt, ob er den Hof fegen darf für nen Fünfer
Ich trau mich nicht, ihm den Schnaps direkt anzubieten
Bier hingegen gibt es noch, magst du, du säufst ja eh
Da lacht er und weint, weil er seine Frau verloren hat
Zu Hause sitzen drei Kinder
Die Augen blutig von Toggo und Zocken

Es kommt
Die Dame mit dem 80er – Jahre Stirnband
faselt von der Schädlichkeit des Streusalz. Das ist kein Streusalz, das ist der übliche Anblick von Frost auf Asphalt.
Nein, nein!
Paranoid verflüssigt sie ihre Gedanken, kippt sie aus vor meinen Bundeswehrstiefeln,
eine zähe Masse, die ich nicht aufsaugen kann
Meine Bäume kämen ja nicht aus der Region
Und auf dem Mond sei der Ami nie gewesen
Ich netze ihr Bäumchen ein, lasse es fallen
Um Gottes Willen! Das arme Teil
Sie will mich steinigen
Mit den Kieseln am Boden meines Standes
Dabei hat sie mich längst bombardiert
Mit undurchschaubaren Blicken, unterstützt von schlecht aufgetragenem Kajal
Oder wie heißt das Zeug?
Keine Zeit, das zu vertiefen

Ein Bully, Begleitung  von Schewertransporten, markanter Typ, irgendwann knalle es in Deutschland mal richtig

Nicht wegen Leuten wie diesen da, er deutet auf den Dönerimbiss
Nein, ich wisse schon
Jaja, ich weiß schon, komm, kauf einen Baum, zisch ab und wähle halt Deine heilige Frauke. Trockenobst saugt Frust auf und wird dann wieder saftig

Apropos. Die Stirnbandtussi kehrt zurück und schlägt vor, man könne sich für die Netze ja auch mal was Neues
einfallen lassen
Mit Griff für viel tragende Menschen

Ihr tragt schon so viel dort drüben
Und ertragt
Man hat Euch vergessen, ihr nehmt´s mit Würde
Manchmal auch mit Anstand
Und jeder macht sein Ding
41.000 Menschen, viel Chemie
Mittlere Angestellte, auch sie brauchen Bäume
Weißes Etikett
Sehr gern auch rot
Auch hübsche Frauen gibt es, Anti-Bumsen, sehr stilvoll
Wo sie wohl leben, wie sie wohl klar kommen?

Ein weißes, charmeloses Auto fährt vor,
der Holzrusse kommt ihm entgegen, eine Bumse hätte er fast angefahren
Fallobst auf der Straße hätte das gegeben
Ein Stadtverwaltungsstens steigt aus, wichtig, CDUig, korrekt
Geht zum Türken. Bestimmt nicht für nen Döner
Aus dem charmelosen Auto war ein schamloser Verwanlungsaffe gestiegen
Der Türke schimpft
Man unterdrücke die Selbstständigen und schikaniere sie
Radebricht er sinngemäß

Die, die was tun, würden abkassiert. Er sägt an seinem Döner, ich werde nachher einen Pickel absägen am Stammende. Damit das Bäumchen passt in einen uralten Schraubständer
Der Herr mit Schiebermütze, beiger Durchschnittsdeutscher, Ost-Heinz Becker,  wird eine Überlegenheit ausspielen die er nicht hat, auf mich herabschauen, hier könne man ja auch kurz noch mit dem Beil längs. Ja, natürlich
Er wird versuchen zu feilschen und dann in einen noch frischen Scheiß VW Bora steigen. Der Kunde ist König.  Auch noch als Knecht der eigenen Eitelkeit

Armer Tropf

Der Türke metzelt das längst tote Kalb nochmal.
Allah werde sich schon kümmern
Wenigstens einer, der sich mal kümmert hier, denke ich

Mein Blick fällt auf das Tischchen neben dem Einnetzer
Tee oder Brause?
Ich habe hier
Meine eigenen Sorgen.

(Das war EINE Seite der Medaille, es folgt in Kürze: Christbaumstand, hoffnungsvoll)