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Glaube und Spiritualität

Bevorstehende Ereignisse

Letztens fielen mir bei einer Haushaltsauflösung christliche Lehrwerke der sechziger und siebziger Jahre in die Hände. Weil ich mich aktuell verstärkt mit meinem christlichen Glauben befasse, dachte ich, schaust du mal rein. Eines der Heftchen hieß „Bevorstehende Ereignisse“. Ein gewisser Josef Kausemann hatte es verfasst, und ich sage direkt vorab: Ich habe es wütend zerrissen und weggeworfen. Ich werde richtig traurig, wenn ich darüber nachdenke, dass mit derartigem Scheißdreck Generationen von Kinder ins Christentum eingeführt wurden. Mit neuen Erklärungen und nicht ohne eine gewisse Genugtuung beobachte ich jetzt wiederum, wie gerade die heutigen 50 bis 70 jährigen der Kirche in Scharen weglaufen.
Mein aktuelles Verständnis von Christentum ist schwer zu erklären, aber leicht zusammenzufassen: Wenn Jesus Christus in einem Grab läge, würde er sich angesichts dessen, was aktuell durch viele Kirchen aus seinem Leben gemacht wird, mehr als nervös darin umdrehen.
Generationen von hoffnungsvollen Nachwuchschristen wurde eingetrichtert, wie böse sie doch sind, dass der Mensch für seine Ursünde büßen müsse und dass die arme Sau Jesus als Lamm Gottes Rotz und Wasser blutend und durstig am Kreuz labbern musste, weil man vor oder in der Ehe masturbiert, hungrig auf dem Wochenmarkt eine Kartoffel geklaut oder sich panisch vor dem besoffenen Alten versteckt hat. „Guck, da hängt das triefende Menschenwrack, weil DU böse bist, ja DU, genau DU! DU bist böse und verdorben! DU bist nicht würdig! Erst, wenn….“
Neben den körperlichen Misshandlungen, die im Namen dieses Gottesverständnisses ausgeübt wurden, dürfen wir den seelischen Schaden, den dieses obendrein höchst autoritär vermittelte Menschen- und Gottesbild angerichtet hat, nicht unterschätzen.
Alle Hinweise deuteten nun darauf hin, hieß es im Heftchen, dass Jesus in Kürze schon zurückkehre und diejenigen richte, die nicht fromm genug waren, sich durch enthaltsamen und frommen Lebenswandel für die Blutspur zu bedanken, die er auf seinem Kreuzweg und auf Golgotha hinterlassen hat, zu bedanken.
Wir sind die armen Sünder, dem Satan immer ähnlicher, man sähe es doch direkt.
Das Gottesgericht stünde unmittelbar bevor, es deute alles darauf hin. Er würde kommen um zu richten die Lebenden und die Toten. Noch nichtmals die spart diese höchst übergriffigen Angstmache aus! Vor unserem Erlöser müssen wir zittern und auf die Gnade Gottes hoffen, dass er uns nicht in die ewigen Qualen leitet wie ein unterbezahlter Bulgare das Vieh zum Schlachthof oder Jabbas Schergen seine Opfer in den Sarlacc. Geht mir doch weg mit dieser Hirnwichse. Was hätte der Herr Kausemann wohl heute geschrieben? Um die Welt ist es nicht besser und nicht schlechter bestellt als vor 50 Jahren, aber auch heute fände der Autor sicher tausend Gründe, aus denen wir in Kürze im Höllenfeuer schmoren.
Ich kenne eine Alternative; es gibt für mich ein gutes Christentum. Es braucht sicher noch ein bisschen, bis mir spruchreif klar wird, wie die aussieht. Was ich verabscheue, ist mir bei der Haushaltsauflösung aber mal wieder sehr bewusst geworden.
Auf dass sämtliche Heftchen und Katechismen dieser Art schnellstens in nicht kratzendes Klopapier verwandelt werden!

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