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Poesie oder was ich dafür halte

Das Leben

Das Leben ist kein Ponyhof
So hört man sie oft sagen
Doch die das sagen, sind meist doof
Und wollen nichts mehr wagen

Das Leben ist ein Haifischbecken
So will man uns erzählen
Wer dies so meint, hat Dreck am stecken
Man sollte ihn nicht wählen

Das ganze Leben ist ein Quiz
So sang es einst der Hape
Es ist vielleicht auch bloß Beschiss
Von Eros bis Agape

Jetzt schreibe ich, wie ich so denk
Und ziehe auch Vergleiche
Die Verse, manchmal ungelenk
Sind schelmisch – kleine Streiche

Das Leben ist bloß ein Programm
Das Aliens uns spielen
Mit großem Aufwand und Tamtam
Dienen wir ihren Zielen

Das Leben ist ein Krötenfass
In dem wir satt uns aalen
Der Schleim der Drüsen tauft uns nass
Wir leiden große Qualen

Das Leben ist ein Düsenjet
Wir fliegen durch die Zeiten
Es liegen alle gern im Bett
Am liebsten – klar – mit Eiten

Das Leben ist ´ne Raumstation
Mit Flugplan und Kantine
Es liebt Piloten als Person
Und Halbfettmargarine

Das Leben ist ein Keller Wein
Mit Rotem und Burgunder
Und abends, mit der rechten fein
Holt es sich einen runter

Das Leben ist ein Taubenschlag
Ein Kommen und ein Gehen
Man kennt die Vögel, die man mag
Und manche bloß vom Sehen

Das Leben ist ein Swimming Pool
Ist voller Chlortabletten
Wir fühlen uns besonders cool
Mit dem, was wir gern hätten

Das Leben ist ein Viermannzelt
Mit dauerfeuchtem Boden
Auf dem sich Unterwäsche wellt
Die einst warm hielt die Hoden

Das Leben ist ein Vogelnest
Auf dem die Störche streiten
Doch wenn man sie nur vögeln lässt
Kommt alles schon beizeiten

Das Leben ist ein Klassenzimmer
Und einer ist der Clown
Doch ebenfalls gibt´s einen immer
Den gerne wir verhaun

Das Leben ist ein Landgasthof
Mit einem dicken Wirt
Und einer geilen Kellnerin
Längst ist sie anvisiert

Das Leben ist ein Bücherschrank
Mit Bibel, Freud und Hesse
Wer dann das Falsche liest, wird krank
Kriegt einen an die Fresse

Das Leben ist ´ne Innenstadt
Mit hässlichen Geschäften
Die kleinen Läden sind längst platt
An Ketten wir uns heften

Das Leben ist ein LKW
Mit Kühlung und Paletten
Und bleibt es stecken mal im Schnee
Helfen gute Ketten

Das Leben ist ein schwarzes Loch
Das alles saugt und killt
Und aus der anderen Seite doch
Das Neue wieder quillt

Das Leben ist von sich aus nicht
Es ist, was wir draus machen
Und wer nichts tut und wer nie spricht
Hat meistens nichts zu lachen

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Poesie oder was ich dafür halte Schreiben

Etwas bricht auf

Etwas bricht auf
Etwas brennt
Etwas lodert und bricht auf – wohin?

Zum Licht bricht etwas auf
Bricht auf
Es rast und es rennt – wohin?

Etwas rast und rennt
Es rennt und rast
Macht keine Rast – zur Ewigkeit

Kein Verb gibt´s für die Ewigkeit
Die Suche hat ein Verb
Man geht ein in die Ewigkeit
Die Suche ist Verderb

Ich rühmkorfe, knausgarde, hesse
Verbrenne mir Seele und Fresse
Alles zu heiß, nirgends ein Beweis
Der langsame Gletscher schiebt [und schleift] sachte den Gneis

Er bricht auf
Er rast rastlos
Ist ewig und schmilzt doch
Ein Leben, das Steine vor sich herschiebt

Sisyphos und sein Stein
Jesus und sein Kreuz
Obelix und sein Stein
Die Dichtung und ich
Die Poesie? Lächerlich!

Etwas bricht auf
Etwas lodert und brennt, will hinaus, will nach Haus
In den ewigen Seelenraum, der schlummert, bewacht von
Hustenden, schwächelnden Löwen, aber immer noch Löwen

Etwas rennt
An der Ewigkeit vorbei
Wir genießen lieber
Tag für Tag
Ort um Ort
Wort für Wort

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Poesie oder was ich dafür halte

Ich bin kein Autor

Ich bin kein Autor kein Schriftsteller und kein Intellektueller
Kann die Welt zwar gut in Worte fassen doch so vieles fehlt noch
Und eine Auszeichnung wäre es eh nicht was hätte ich davon
Autor Schriftsteller Blogger na und? Das sind wenn überhaupt Scherben
Im Mosaik aber nicht das Bild nicht das Werk nicht die Idee nicht der Plan
Ich tippe Buchstaben zu Worten zu Zeilen zu Texten wie die Amsel sich
im Ameisenhaufen gern anpinkeln lässt gegen ihre Parasiten oder zum Vergnügen
oder beides so schreibe ich
Gegen meine Dämonen und Parasiten zur Befreiung zur Welterschließung
auf der Suche
Allein der Satzbeginn „ich bin“ trügt, irreführt uns alle, bindet uns auf
Ein Ego das uns zerfrisst und durchsetzt und uns Anhaftung aufschwätzt und
Niedertracht und uns einflüstert wir dürften nicht loslassen das würde die
Zahl der Zacken in unseren Kronen verringern
Die Dornenkrone war auch eine Krone, nicht Jesu Wille geschah sondern Gottes Wille
Der Heiland hätte abhauen können, fliehen nach Indien
Sokrates hätte fliehen können und Mandela hätte allen Grund gehabt
zu fliehen mittels Suizid
Keine Rose wächst und ärgert sich dann ihr Leben lang darüber keine Sonnenblume
geworden zu sein oder eine Mistel unter der sich Millionen von Pärchen geküsst hätten
zur Weihnacht und dann wäre alles gut geworden, aber nein, ich bin eine Rose und
hadere nicht
Eigentum verpflichtet und bindet, wie froh war ich über die Kaninchen und wie sehr habe
ich sie gehasst, beharrlich schauten sie mich an aus großen Augen wollten Futter und Wasser
und haderten nie und hielten mich aus und nahmen Löwenzahn und Gras aus der Hand des Möchtegern
Des Zweiflers der alles versperrt, der alles erdrückt im Wunsch es für ewig zu behalten
Ich bin kein Autor
Kein Schriftsteller
Ein Dichter vielleicht, vielleicht ein guter, aber das wäre wieder
Anhaftung, Ziel, Darstellung und wohin führt das
Erfahrungsgemäß in den Wahnsinn. Ich wäre auch gern gesund und kerngesund
Für immer ohne Last und Mühen und was bringt das, bringt der Tod vielleicht die Würze
Indem er uns ermahnt und korrigiert, indem er letztlich alles verschlingt und uns so
zur inneren Wahrheit führt? Den Tod besiegen, was hieße das? Was bedeutet das?
Woran würde ich merken, dass ich den Tod besiegt habe, überwunden?
Würde ich nach dem Sterben oben stehen in irgendeiner Ewigkeit einer Wesenheit einer Gestalt und würde ich denken, ach wie schön, jetzt habe ich
den Tod überwunden, und alle meine Lieben sind noch woanders und ich bin einsam in der Ewigkeit
Kämen 75 Jungfrauen auf mich zu? Würden sie mich entsaften wollen und wiese ich sie dann, vielleicht bei Nummer
70 auf den Irrtum hin, ich sei überhaupt kein Moslem und hätte mich auch nicht suizidiert in meinem Wunsch nach
Ewigkeit und Dazugehörigkeit
Ich war nie ein Autor, ich war stets Schreibender.
Schreibende wollen kontrollieren und loslassen sich gehen lassen anderen ihren Sprachrhythmus aufzwingen ein Korsett
obwohl es kaum Kommata in sich trägt.
Ich bin ein Suchender und wieder war der Satzanfang falsch, etwas sucht, und es sucht über die Illusion eines Ich
Und die bin ich und frei werde ich nur wenn ich sage oh toll, mein Kreuz, zeig her gib schon her die Schultern werden sich
schon daran gewöhnen
Lass los, lass strömen, schreib Dich frei, schütte dich aus, wirf den Haufen irgendwohin
Wer es mag findet sich darin wieder, wer nicht, der nicht, als hättest du Masse nötig statt Klasse und erschaffst Dir nun eine Elite der Verkopften
Unsinn
Du bist kein Autor, Du bist ein Schreibender, Du befreist Dich durch das Schreiben, sonst würdest Du bekloppt
Zu groß das Universum in Dir, zu klein die Region, in die es expandieren kann
Aber das Universum an sich, sagt die Forschung, schafft sich auch den Raum, in den hinein es sich ausdehnt
Was sagst Du nun, Dichter?
Dichtender?
Schreibender?
Suchender?

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Poesie oder was ich dafür halte

Antwort auf die Ausstellung „Männerwelten“

Lass Dich bügeln, bürsten, pimpern
Dir schmier ich auch mein Gemächt ins Gesicht
Dich knall ich durch, zucke nicht mit den Wimpern
Halt endlich still, wehr Dich doch nicht

Immer ein ich gibt´s und immer ein Du
Immer ein Subjekt und stets ein Objekt
Immer hält wer wem die Mundhöhle zu
Immer spreizt einer, gibt´s einen, der leckt

Heillos verstrickt in die Spaltung der Welten
Heillos ertrunken im Strudel der Zeit
Mutlos verzweifelt will jeder was gelten
Doch es gibt Hoffnung, bald ist es so weit

Stirbt der Verbrenner, stirbt Tönnies, das Böse
Der Kapitalismus am Galgen erstickt
Bald wieder „Scheide“ statt „Bumsrohr“ und „Möse“
Sind wir die Liebe, wird nicht „durchgefickt“

Die Narrative, die ganz großen Bögen –
Geschichten vom Leben, von Liebe, von Mut
Wenn wir anstatt zu waten mal flögen
Sähen wir öfter – alles wird gut

Noch sind wir alle am Strick aufgehangen
Gezwungen zur Trennung, egal was geschieht
Noch müssen alle hoffen und bangen
Gibt es kaum einen, der wirklich klar sieht

Verschwörer, Verlierer, Verräter, Vergehen
Verstimmung, Verirrung, nur Pornos und Tod
Trägheit und Wolken aus Watte im Sehen
Jeder muss lügen und wird nichtmal rot

Setzt Euch ans Feuer und schaut in die Flammen
Starrt nicht nur bloß diese Bildschirme an
Lasst Euch nicht eindimensional verdammen
Zu Schalke und Dortmund, zu Frau oder Mann

Lernt zu verzeihen – versucht, zu vergessen
Denken ist nur ein Gehirn, das Euch narrt
Lernt, nicht zu stopfen, sondern wieder zu essen
Passt auf Euch auf – und jetzt gute Fahrt!

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Poesie oder was ich dafür halte

Sauerländer Limericks

Guten Tag, ich habe mal gereimt. Frei raus, frei Haus! Gute Unterhaltung und viel Spaß!

Ein Ingenieur aus Hüsten
Der fühlte überall Zysten
Und redet sich ein
Bald tot zu sein
Und fühlte auch an den Brüsten

Ein Strahlemann aus Neuenrade
Fand einst es besonders schade
Nicht reisen zu dürfen
Um Cocktails zu schlürfen
Darum biss er sich in die Wade

Ein Maurer aus Serkenrode
Ging stets mit der neuesten Mode
Er kaufte sich dies
Und das ohne Kies
Dem Kapitalismus ´ ne Ode

Die bildhübsche Witwe aus Fretter
Die suchte erneut einen Retter
Fühlt sich zu allein
Um glücklich zu sein
Spricht einen an: „Du bist ein Netter!“

Ein Rad gibt´s, das immer sich dreht
Von links nach rechts, von früh bis spät
Das Rad ist das Denken
Es lässt sich nicht lenken
Der Fakir weiß: „Doch, das geht!“

Die hübsche Floristin aus Balve
Liebt Bohnenkraut, Rose und Malve
Die Namen – Latein-
Sagt sie auf gern fein
Begrüßt ihre Kunden mit „Salve!“

Ein Obstbaumveredler aus Valbert
Wurd´ regelmäßig veralbert
Man rief ihn gern „Ochs!“
Und „doofes Gesocks!“
Doch eigentlich hieß der Mann Albert

Ein Gynakologe aus Siegen
Aß heimlich und oft dicke Fliegen
Der Magen tat weh
– Insekten sind zäh –
Dann musste er meist lange liegen

Ein kleiner Herr aus Würdinghausen
Ließ oft und gern krachend was sausen
Die Leute drumrum
Fielen dann um
Doch weiter pupst er ohne Pausen

Ein Buchhändler und ein Fasan
Die schauten am Waldrand sich an
„Du kannst super lesen!“ –
„Und Dein Federbesen
gefällt mir und macht mich sehr an!“

Vorbei schwamm die eifrige Ente
„Was macht ihr euch hier Komplimente?
Ihr schleimt Euch bloßt ein,
um glücklich zu sein.
Doch flüchtig sind solche Momente.“

Der Pastor und die Witwe

Im Biggesee schwamm ein Pastor
Doch kalt war´s, es schmerzt ihm das Ohr
Es piekste und stach
Und groß war die Schmach
Da band´ er sich etwas davor

Und zwar einen Sack mit Schalotten
Den einst er erwarb in Salzkotten
Der war ziemlich schwer
Er ruderte sehr
Musst´ ans Ufer rasch wieder trotten

Begegnete ihm eine Meise
Die hielt sich für besonders weise
Die sagte „Mein Lieber,
du kriegst bald noch Fieber!“
Der Pastor bejahte dies leise

Dann fuhr der Pastor rasch nach Hause
Zwei Stunden lang, flott, ohne Pause
In seinem VW
Das Ohr tat noch weh
Zu Haus´ gab´s zunächst eine Brause

Die Dusche war warm und tat gut
Da schöpft der Pastor neuen Mut
Fuhr wieder zurück
Zwei Stunden am Stück
Und stürzt sich erneut in die Flut

Am Ufer die Witwe aus Fretter
Sprach „endlich, da ist er, mein Retter“
„Doch der Zölibat“,
der Pastor blieb hart
Verfinstern tat sich dann das Wetter

Die Witwe aus Fretter verletzt
Köpfüber zum Biggesee hetzt
Nahm sich die Schalotten
– Die aus Salzkotten“ –
Band sie sich ans Bein „Mann, das ätzt!“

Der Pastor kam nicht hinterher
Das Herz ward ihm plötzlich sehr schwer
Die Witwe ertrank
Der Zwiebelsack stank
Man sah sie dann beide nie mehr

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Poesie oder was ich dafür halte

Fragen an die Fragen

Wenn Ihr müsstet, würdet Ihr?
Wenn Ihr würdet, müsstet Ihr?
Wenn Ihr wolltet, würdet Ihr?
Wenn Ihr würdet, wolltet Ihr?
Wenn Ihr könntet, müsstet Ihr?
Wenn Ihr müsstet, könntet Ihr?

Könntet Ihr wollen, wenn Ihr müsstet?

Wenn Ihr brütet, schwitzt Ihr?
Kommt Euer Schwitzen nur vom Brüten?
Wenn Ihr rennt, vor was flieht Ihr?
Wenn Ihr flieht, warum rennt Ihr?
Wenn Ihr trauert, mauert Ihr?
Wenn Ihr singt, trauert Ihr?

Könntet Ihr auch rennend brüten?
Würdet Ihr auch trauernd und brüten?
Mauern und rennen?

Wenn Ihr blüht, verwelkt Ihr auch?
Folgt auf die Nacht bei Euch ein Tag?
Ob Ihr dabei seid oder nicht?
Und wer macht hier bloß den Vertrag?

Wenn Ihr dächtet, Ihr könntet – würdet Ihr?
Wenn Ihr dächtet, Ihr würdet- würdet Ihr?
Wenn Ihr denkt, Ihr brütet – liegt da wirklich ein immer Ei?
Und setzt Ihr Euch auf jedes Ei zum Brüten?

Wie viel Wärme ist da, ist übrig und nützt?
Und wärmt wunderbar, unterstützt?
Wie viel Kraft hättet Ihr, wenn Ihr müsstet?
Wie viel Kraft hättet Ihr, wenn Ihr wüsstet?

Wie viel Kraft ließ ich Euch, wenn ich müsste?
Wie viel Wärme gäb’s noch, wenn ich müsste?

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Poesie oder was ich dafür halte

Unten die Puten

Heute war vor mir im Zeitschriftenladen ein Typ, der dem slowenischen Philosophen Slavoj Zizek total ähnlich sieht und auch noch genau so spricht. Als ich die Verkäuferin darauf aufmerksam machte, googelte sie den und gab mir recht. Es kann manchmal so lustig sein. Außerdem purzelte später ein Gedicht aus mir heraus, ausgerechnet während der Lektüre meine Lieblingszeitschrift GALORE. Ich will es hier mal eben vorstellen:

Unten die Puten

Letztlich die Sonne hängt auch nur am Strick
Baumelt und taumelt, die Füße im Schlick
Trotzdem: ihr Licht flog ab vor Minuten
Unten im Tal flattern ängstlich die Puten

Hat keine Arme um sich zu befrein
Von so weit weg hört keiner sie schrein
Schickt uns verzweifelt das Licht und die Wärme
Unten die Puten verliern ihre Därme

Blickst du zum Himmel siehst blau du und grau
Kohlweiße Wolken, die Schöpfung ist schlau
Flugzeuge rattern mit Angst vor der Panne
Unten die Puten verschönern die Pfanne

Gülle und Frühling vermischt unterwegs
Trecker und Mäher gehn dir auf den Keks
Der Häcksler er häckselt emsig den Strauch
Unten die Puten verschwinden im Bauch

Des fetten Essers, der Viren sehr hasst,
im Schatten des Bierbauchs zusehends erblasst
Von oben die Sonne verschenkt ihre Strahlen
Unten die Puten, die Esser, die Qualen.

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Glaube und Spiritualität Poesie oder was ich dafür halte

Einfall in der Wanne

Biege gerade in die Zielgerade von Richard Rohrs Buch „ALLES trägt den einen Namen“ ein, Untertitel „Die Widerentdeckung des universalen Christus.
In der Badewanne, zwischen umhertreibenden Playmobilmännchen, die ich vorm sicheren Erfrierungstod auf dem Aprilbalkon gerettet hatte, fiel mir dann ein Gedicht wieder ein, das mir damals in Rulle während einer Jugendfreizeit eingefallen war, die ich begleitet hatte.
Ich schreibe es einfach mal hier auf und gebe es zur freien Verwendung.
Irgendwann bin ich vielleicht auchmal so vom Ego befreit, dass ich auf langatmige „Making Ofs“ im Vorspann ganz verzichten kann…


Taumelnd ergebe ich mich
dem Anblick der Sterne.
Und doch weiß ich:
Wir sind aus demselben Gedanken

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Poesie oder was ich dafür halte

Aus meiner Textwerkstatt: Anfangen und Loslassen

Ich schreibe Auftragstexte und ich schreibe kreative Texte. Und ich schreibe kreative Auftragstexte.
Seit ich vor mittlerweile acht Jahren in meinem Terminplaner mit dünnem Bleistift die unscheinbaren Worte „Mit dem Schreiben Geld verdienen“ kritzelte, hat sich viel getan.
Immer gleich geblieben ist aber mein Verhältnis zum Text. Ich will ihn so gut es geht situations- und anlassgerecht schreiben. Form und Inhalt sollen miteinander harmonieren. Im Idealfall entsteht der Text aus einer Wirklichkeit, ändert deren Aggregatszustand und schafft damit eine neue Wirklichkeit. Wem das jetzt zu blumig klingt, hat noch nie wirklich etwas geschrieben.
Zwischen Idee, Recherche und dem tatsächlichen Beginn des Schreibens können mitunter Wochen vergehen. Ich bin ein Schlunz, der nur mit Deadlines richtig aus der Hufe kommt. Dann haue ich tausend Wörter in einer Stunde raus, wenn es darauf ankommt.
Ich bin einerseits der Typ Textbildhauer. Meine Notizen verwebe ich zu einem Grundtext, arbeite Sprüche, Anekdoten, Assoziationen ein, lasse aus, lasse weg und trete dann zurück.
Andererseits bin ich der Typ des frei flottierenden Schreibers, der dann das Textnetz nicht webt, sondern eins aufstellt, in dem sich Worte verfangen, die er niederschreibt.
Ich will mindestens genauso viel zwischen den Zeilen sagen wie mit den Zeilen, das ist für mich die goldene Eigenschaft idealer Texte.
Ich hadere oft mit mir selbst, auch beim Schreiben. Ich schiebe auf, was sich manchmal anfühlt, als sei ich schwanger, mit einem viel zu dicken Rind im Bauch.
Bis ich anfange, klage ich mich für meine Disziplinlosigkeit an und rede mir ein, dass ich mein Handwerk nicht verstehe.
Dann kommt irgendwann der Punkt, an dem ich spüre, der Text ist fertig. Ich könnte oft gar nicht konkret formulieren, was ich sagen will, aber ich spüre, wenn ich es gesagt habe.
Hängt niemand von dem Text ab, wirtschaftlich oder persönlich, lasse ich ihn raus, auch mal unperfekt.
Gibt es Auftraggeber oder möchte ich jemanden mit dem Text in Szene setzen oder ihm sonstwie einen Gefallen tun, gehe ich nochmal drüber. Und nochmal. Bildhauer eben.
Dann muss ich loslassen. Das fällt mir nicht ganz so schwer wie das Anfangen und bei bezahlten Texten natürlich schwerer als bei denen, die ich aus Spaß am Schreiben schreibe.
Es kommt der Punkt, an dem es sich lohnt, zur eigenen Unperfektheit zu stehen. Ich halte mich, glaubt´s mir oder nicht, für keinen guten Schreiber. Ich fische damit nicht nach Komplimenten. Vielleicht vergleiche ich mich auch nur mit den falschen.
In den allermeisten Fällen kommt ja positives Feedback. So richtig verhagelt und verrannt habe ich mich noch nie, außer damals vielleicht, in den allerersten „Eitens Welt“ – Kolumnen.
Und die sind ja schon über 20 Jahre her.

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Glaube und Spiritualität Poesie oder was ich dafür halte

Schwarze Punkte

Heute Spaziergang. Aschermittwoch. Schneegrau. Bis unterhalb des Friedhofs eigentlich nur geflucht, gezweifelt und Schneebrocken zertreten. Dem zynischen Arschloch freien Lauf gelassen. Dann scheinbar doch noch Platz für was Neues. Das folgende Gedicht begann, Form anzunehmen. Als ich zu Hause war, war es fertig. Ich muss es jetzt hier nur noch schreiben.

Schwarze Punkte

Auf den Elytren
Schwarze Punkte
Grundfarbe Rot surrten nach vorn

Und in den Bäumen
Schwarze Punkte
Waren gefiedert flogen davon

Zwischen den Sätzen
Schwarze Punkte
Ließen mich atmen gaben Struktur

An weißen Hunden
Schwarze Punkte
Schenkten die Schönheit rannten davon

In den Gedanken
Schwarze Punkte
Gab ihnen Räder schob sie davon

Schaumweißes Strandgut
Schwarze Punkte
Waren mal Felsen sehr lange her

Auf unseren Zähnen
Schwarze Punkte
Bildeten Höhlen bis auf den Nerv

Auf unseren Seelen
Schwarze Punkte
Lichtkegel drauf nichts mehr zu sehn

Auf unseren Stirnen
Schwarze Punkte
Eigentlich Kreuze blieben bestehn