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Bücher Finden und sich finden lassen

Dies und das und Ananas


(Ach, was ist das alles schön im Moment!)

Der Mai ist gekommen. Wir merkeln uns durchs Leben. Müssen gucken, wo wir bleiben. Und ob wir da bleiben wollen.
Wir kritisieren fahrig aneinander herum, ermutigen uns halbgar, zeigen uns wahlweise ösig oder euphorisch und wichsen unsere Gehirne. Apropos. Hier ein super empfehlenswertes Buch:

Knut ist tot. Eine Feder und ein Holzrestekreuz zieren sein Grab.
Irmgard zog auf einen Ferienhof. Silvia aus Milchenbach, Chefin der Bauernhofpension Pohl, klagte kein bisschen über die „Mitgefangen, mitgehangen“ – Politik, die die Gastronomie genauso fickt wie Anbieter autarker Ferienwohnungen. Sie zeigte uns stattdessen stolz ihre Schildkröten, freute sich über ihren übermütigen Kater und hielt weise ihr Gesicht in die Sonne. Ich habe kein einziges schlechtes Wort von Silvia gehört an diesem Vormittag. Dorthin konnten wir Irmgard gut gehen lassen.

Ab und zu sieht man mich im Papiercontainer krosen. Ab und zu bekomme ich anfragen, Bücher abzuholen in Haushalten. Das mache ich wacker weiter, wenngleich die Garage aus allen Nähten platzt. Im Container vor einem Haus fand ich das hier:

Ein dekoratives, schönes Etui mit etwas, was sich „Dr. Liebreichs Augenspiegel“ nennt und bis in die dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts für die Augenheilkunde hergestellt wurde. Wunderbar für mein Kuriositätenkabinett; es passt hervorragend zwischen die vertrocknete Libelle, die fossilen Ammonitenabdrücke aus Holzmaden und den Fadenzähler, den ich vor vier Jahren mal auf einem Bürgersteig gefunden habe.

In Münster entdeckte Katrin an der Bremer Straße einen Laden namens „Poptanke“. Wir waren eigentlich schon geknickt auf dem Weg nach Hause, da fiel meiner Frau das hübsche Schaufenster auf. Ich also nach aufreibender Parkplatzsuche um den Block rein ins Geschäft. Wow, da sah es ja aus wie bei mir zu Hause! Das band ich direkt der schüchternen Verkäuferin auf ihre hastig maskenbedeckte Nase und sonst noch so einiges, wonach sie mich nie gefragt hatte. Ich bedauerte, nur etwa vierteljährlich nach Münster zu kommen, es hätte auch alles ganz anders kommen können, schließlich hätte ich ja auch hier studiert und blablabla. Sie bedauerte es nicht. Jedenfalls verließ ich den Laden mit oben gezeigtem Buch, noch einem übers Christsein, einem Olchi – Buch für Mats und der Lacrimosa – Platte „Angst“, nach deren Genuss man sich, sollte man noch Zweifel gehegt haben, freiwillig aufknöpft. Aber hey, ich muss ja die Ursuppe dessen verstehen, was mir später in Gestalt von „Stille“ viele wundervolle Momente bereitet hat.
Wir gurkten durchs Hafenviertel, um das Auto zu parken für einen spontanen Spaziergang. Auf Außenstehende mag das skurril gewirkt haben: Auf dem Rücksitz zwei Medienzombies, auf dem Beifahrersitz eine fröhliche Frau, und gesteuert wird der winzige Peugeot von einem kahlköpfigen Familienvater. Zu allem jimmelt Thilo Wolff seine letzten Worte in den Äther.

Zurück zu Hause erfuhr ich, dass meine Eltern nebenan wieder Besuch von einem Buchfinken bekommen, der beharrlich an ihr Küchenfenster pickt, genau wie vergangenes Jahr. Ich denke, er ist wieder im Balzmodus und erkennt im Fenster einen Rivalen. Auch so eine Hirnwichserei. Der arme Kerl macht sich jetzt völlig kaputt. Aber tun wir das nicht alle aktuell irgendwie?

So, Schluss jetzt. Die Überschrift versprach noch eine Ananas, also bitte sehr:

Bis bald in Eitens Welt!